Liebe Freunde der Burschenschaft,

sehr geehrte Damen und Herren,
 
in diesem Jahr jährt sich die Gründung der Urburschenschaft am 12. Juni 1815 im Gasthaus Grüne Tanne zu Jena zum 200. Mal. Bürgerliche Freiheiten wie das allgemeine und gleiche Wahlrecht und die Abwehr staatlicher Eingriffe in das Privatleben der Bürger standen ebenso auf ihrer Fahne wie die Pressefreiheit. Diese Forderungen haben im Jahr 2015 ihre Berechtigung nicht verloren, wenn auch unter geänderten Vorzeichen. War 1815 der Staat der größte Gegner des freien Wortes, sind es heute wohlfeile Journalisten, die ihre Aufgabe als Kontrollinstanz der Mächtigen kaum noch erfüllen.   
 
Die Pressefreiheit ist auch heute nicht selbstverständlich und muß jeden Tag verteidigt werden. Theoretisch und verfassungsrechtlich steht diese Freiheit auf sicheren Füßen. Ihre praktische Beachtung gerät jedoch in Bedrängnis, und zwar sogar durch die Akteure der Presselandschaft selbst. So riskiert eine Rüge durch den Presserat, wer bei Straftaten, insbesondere auch bei organisierter Kriminalität die ausländische Herkunft der Täter nennt. Die Leser selbst sind dabei zur Denunziation beim Presserat über ein Online-Portal aufgerufen. Selbst wenn ein denunzierter Beitrag im Ergebnis  vom Presserat nicht gerügt wird, schwingt sich dieses Gremium dazu auf, zu beurteilen, ob ein Medienbericht „ein zulässiger Meinungsbeitrag“ ist – so im Falle eines Berichtes, der Sorgen der Bürger über einen Moscheebau behandelte (Az. BK1-279/08). Eine Unterscheidung in zulässige und unzulässige Meinungsbeträge, obwohl keine Strafgesetze verletzt werden, ist der Anfang vom Ende der Pressefreiheit. Denn Journalisten müssen sich gut überlegen, was sie schreiben, selbst wenn sie sich an die Tatsachen eines Geschehens halten. Dies erkannte die Burschenschaft bereits in ihren Grundsätzen von 1815, in denen es unter Punkt 31 heißt: „Wo Rede und Schrift nicht frei sind, da ist überhaupt keine Freiheit, da herrscht nicht das Gesetz, sondern die Willkür. Wer das Recht des freien Gedankenverkehrs durch Rede und Schrift den Bürgern zu entziehen, zu verkümmern und wegzukünsteln sucht, der begeht Frevel an seinem Volk.“    
 
Mit dem Begriff „Lügenpresse“ machten sich Bürger nicht ohne Grund darüber Luft, daß sie sich von den Medien im Allgemeinen nicht ausreichend informiert und teilweise sogar manipuliert fühlen. Bestimmte Themen sind mit Tabus belegt, vor allem deren Schilderung aus konservativer Sicht. Wer sie doch anspricht, wird der gesellschaftlichen Vernichtung preisgegeben. Gejagt von einem Berufsstand, der sich laut repräsentativer Umfragen selbst zum Großteil links-grün verortet. Peter Schneider ein früherer Redenschreiber von Willy Brandt kritisierte in Die Zeit den heutigen Journalismus mit den Worten: „Voltaires Bekenntnis 'Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, daß du es sagen darfst' lautet in aktueller deutscher Übersetzung etwa so: Natürlich darfst du deine - übrigens bescheuerte - Meinung ausdrücken und dafür demonstrieren. Aber ich setze alle Mittel der Diskriminierung dafür ein, daß du sie nicht mehr auszudrücken wagst.“  Sein Zeit-Kollege Harald Martenstein sieht es ähnlich: „Wenn man Leute kritisiert, muß man erst einmal deren Position darstellen, und zwar wahrheitsgemäß. Da sollte man fair sein“, findet er und folgert: „Diese Tugend ist im deutschen Journalismus leider schwach entwickelt…“ 
 
Wie ist es also um die Pressefreiheit in Deutschland bestellt? Dieser Frage sowie weiteren Fragen im Zusammenhang mit dem Motto
 
200 Jahre Burschenschaft – Freiheit, die wir meinen!
 
widmen wir uns gemeinsam mit Referenten und Gästen auf der XI. Bielefelder Ideenwerkstatt am 7. und 8. November 2015. Sie sind als Gäste herzlich eingeladen, zuzuhören und mitzudiskutieren.
 
Mit burschenschaftlichen Grüßen
 
Ihre Burschenschaft Normannia-Nibelungen 
 
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