Liebe Freunde und Förderer,

 
die Energiewende ist ein Jahrhundertprojekt. Wie könnte es anders sein, wenn sich eine weltführende Industrienation zum Ziel gesetzt hat, ihren Energiebedarf in absehbarer Zeit möglichst ohne fossile Brennstoffe, sondern allein durch Sonne, Wind und Wasser zu decken? Es findet nichts anderes statt, als der größte Umbau unserer Energieversorgung seit dem Beginn der Industrialisierung vor 150 Jahren.
 
Ein Jahrhundertprojekt braucht jedoch gerade eben die vorausschauende Planung für 100 Jahre. Das lässt unsere Energiewende unstreitig vermissen. Im Falle der bundesdeutschen Politik wäre man mittlerweile dankbar, wenn die Planung mehr Weitsicht hätte, als nur für eine Legislaturperiode. Selbst Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel gab unlängst zu, dass die Entscheidungsträger im Bundestag ihren Blick einseitig auf Schnelligkeit des Umbaus gerichtet hätten, anstatt auf Planbarkeit. Das Ergebnis bekommen wir heute zu spüren.
 
Selbst gut informierte Bürger wissen nicht, wie der Stand der Energiewende ist. Die Aussagen sind zu unterschiedlich. Wer sich auf Erfolgs- oder Misserfolgsmeldungen festlegt, tut dies fast immer aus persönlich beruflichen oder ideologischen Gründen. Die Tatsachen bleiben dabei oft auf der Strecke.  
 
Die Energiewende spaltet daher mittlerweile die Nation. Dies führte leider dazu, dass die Verfechter erneuerbarer Energien und deren Gegner kaum normal miteinander reden können. Beide Lager sind – man muss das so sagen – äußerst verbohrt: 
 
Die Wendegegner einerseits schauen nur auf den Strompreis, ergehen sich in einer wenig zukunftsorientierten Verherrlichung von Atom- und Kohlekraft, verleugnen teilweise sogar drohende Rohstoffknappheit und wer für „die Erneuerbaren“ ist, wird von ihnen als Ökofaschist beleidigt.  Die Befürworter andererseits sind in ihrer Wortwahl nicht bescheidener, brüllen berechtigte Kritik nieder, anstatt zu diskutieren und sind oftmals nicht weniger von finanziellen Interessen getrieben, als die großen Stromkonzerne, die sie entmachten wollen.  
 
Mit Starrsinn auf dem eigenen Standpunkt zu verharren hilft uns jedoch nicht weiter. Wir müssen reden. Die diesjährige Bielefelder Ideenwerkstatt geht von folgender Grundlage aus, die das Motto prägt:
 
„Die Energiewende – Jahrhundertprojekt zwischen Notwendigkeit, Hysterie und Machbarkeit“
 
Die Energiewende ist notwendig; aus verschiedenen Gründen. Rohstoffe wie Kohle, Öl, Gas und solche für Atomkraftwerke werden knapper. Sie sind begrenzt. Es kommt nicht darauf an, ob wir das Fördermaximum von Öl (peak oil), Kohle (peak coal) oder sonstigen Ressourcen (peak everything) bereits überschritten haben oder es erst noch erreichen werden. Denn die vollständige Erschöpfung bisher unverzichtbarer Rohstoffe wird kommen, wie der Boden in der Wasserflasche aus der man trinkt. Eine zukunftsorientierte Politik einer so energiehungrigen Nation wie Deutschland ist gut beraten, schon jetzt eine Vorreiterrolle für diese Zeit zu übernehmen. Das dient zudem unseren wirtschaftlichen Interessen. Deutschland ist ein Land, das seinen Wohlstand seinen Denkern verdankt und den Arbeitern, die deren Maschinen in der Praxis erproben. Unsere Technik aus Bergbau und Industrie ist Weltspitze. Nun, da wir unsere heimischen Zechen geschlossen haben, fehlen jedoch zunehmend die „Versuchslabore“ für den Ernstfall. Es ist daher an der Zeit, deutschen Ingenieurs- und Unternehmergeist in alternative Energien zu investieren. Bereits heute ist Deutschland wieder einmal Weltklasse: Im Bereich der Technologie für die „Erneuerbaren“. Die Ressourcennot wird kommen – wir müssen sie zu einer Tugend machen.
 
Die Energiewende ist geprägt von Hysterie; Klimahysterie. Wer kann es denn noch hören, dass jeder Vorgang auf diesem Planeten nur noch in CO2-Werten gemessen wird? Wieviel CO2 stößt mein Auto aus? Wieviel CO2 wurde für mein Schnitzel auf dem Teller produziert und wieviel für den Teller selbst – und dessen Spülen nach dem Essen natürlich? Wieviel CO2 bindet mein Kräutergarten? Die Klimahysteriker sollte es wirklich nicht überraschen, dass die Menschen es langsam satt haben, sich für jede Sekunde ihrer Existenz als „Klimasünder“ schämen zu müssen. Es muss hier völlig offen bleiben, ob die Erderwärmung tatsächlich stattfindet oder nicht, ob sie menschengemacht ist oder nicht, ob eine Energiewende in Deutschland „das Klima retten“ kann oder nicht. Aber kann man über diese Fragen nicht ganz einfach diskutieren? Stattdessen beschimpft man sich gegenseitig als Klimaskeptiker, Wegbereiter der Ökodiktatur und Ideologen. Wenig Gehör finden dabei vor allem die „Klimaskeptiker“. Doch sind das etwa keine Wissenschaftler, wie ihre „Hysterikerkollegen“? Seit wann kennt Wissenschaft eine einzige „Wahrheit“? Wer dem Absatz zur Notwendigkeit der Energiewende zustimmt, wird auch dem zustimmen: Man kann eine Energiewende ohne Klimahysterie im Nacken begründen.  
 
Die Energiewende muss dem folgen, was machbar ist. Was ist das Ziel der totalen Umstellung unserer Stromerzeugung auf Sonnen-, Wind- und Wasserkraft? Welche Schritte sind in welcher Reihenfolge nötig? Was können wir heute noch nicht leisten, so dass mehr Forschung und Geduld nötig sind?
 
Diesen und weiteren Frage wollen wir uns auf der diesjährigen X. Bielefelder Ideenwerkstatt widmen. Ganz ohne Scheuklappen.
 
Mit studentischen Grüssen

Ihre Burschenschaft Normannia-Nibelungen

 

 

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