Sehr geehrte Damen und Herren,


wie selbstverständlich nutzen wir heute Google um weltweit verstreute Informationen blitzschnell zusammenzutragen, halten über sogenannte soziale Netzwerke Kontakt zu in allen Himmelsrichtungen verstreuten Freunden, geben unsere Meinung „Gott und der Welt“ über Twitter bekannt und erledigen vielleicht sogar unseren Einkauf über das Internet.

Wir befinden uns mitten in einer Entwicklung deren Ende und Folgen wir noch nicht absehen können. Geradezu unerschöpflich scheinen die Möglichkeiten, die das 21. Jahrhundert den Menschen in Gestalt der Informations- und Wissensgesellschaft bietet. Der bekannte Publizist und FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher geht sogar so weit zu behaupten, daß die neue Technik unser Denken in den Grundfesten verändern wird.

Experten sind sich sicher, daß Informationen die wichtigste Ressource der Zukunft sein werden, um die sogar Kriege geführt werden. Während die geplante Volkszählung im Jahr 1983 allerdings noch für Empörung und Demonstrationen sorgte, ist der aktuelle Umgang mit Informationen oft geprägt von Gedanken- und Sorglosigkeit.

Wer kontrolliert was wir bei einer Suche mit Google als Ergebnis präsentiert bekommen? Wußten Sie zum Beispiel, daß Deutschland nach Brasilien das Land ist, das bei Google die meisten Anfragen zur Informationsentfernung stellt? Was sind die Konsequenzen für die Gesellschaft, wenn Unternehmen zusehends dabei sind Informationsmonopole aufzubauen? Wie ist die Qualität und Zuverlässigkeit von Gemeinschaftsprojekten wie Wikipedia einzuschätzen, wenn dort jeder – ungeachtet seiner Qualifikation – Inhalte erstellen darf? Nicht ohne Grund gibt es Vorbehalte gegen die Nutzung von Wikipedia als Quelle für wissenschaftliche Arbeiten.

Doch die Wissens- und Informationsgesellschaft ist nicht nur eine Frage des Internets mit seinen Vor- und Nachteilen. Auch in den Hochschulen hat mit dem sogenannten Bologna-Prozeß ein Umbruch stattgefunden. Mit der Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen wurden die Studiengänge gestrafft und vermeintlich internationalisiert. Nicht nur Studenten klagen über Zwangsstundenpläne, mangelnde Entfaltungsfreiräume und fehlende Möglichkeiten für den Blick über den Tellerrand. Auch Professoren wissen, daß sie ihren Studenten nur noch grobe Ausschnitte dessen vorstellen können, was ihr Fachgebiet zu bieten hat. Sind Forschung und Lehre damit auf der Strecke geblieben? Wer bestimmt, was noch vermittelt werden soll? Welche Probleme werfen von der Wirtschaft gestiftete Professuren auf?

Mit diesen und weiteren Fragen möchten wir uns auf der diesjährigen Bielefelder Ideenwerkstatt zum Thema

„Die Informations- und Wissensgesellschaft – Zwischen Risiken und neuen Möglichkeiten“

auseinandersetzen. Am Ende soll eine Darstellung der positiven Seiten unserer Informations- und Wissensgesellschaft stehen, wie auch eine Schärfung des Problembewußtseins der Teilnehmer.

Über Ihre Unterstützung und rege Teilnahme freuen wir uns.

Mit studentischen Grüßen

Ihre Burschenschaft

 

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